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Kunstvermittlung der besonderen Art

Einfach mal zur Ruhe kommen, einen festen Termin in einer wirbelnden Zeit, die eigene Kreativität entdecken, die Seele sprechen lassen.

Kunst als Sprache, Zeit als Aufmerksamkeit - einander zuhören, füreinander da sein. Darum geht es in der Kunstvermittlung der etwas anderen Art. Seit Anfang März sind wir im Seminarhaus des Bauhaus-Ensembles tätig, um mit den über 160 Geflüchteten aus der Ukraine künstlerisch zu arbeiten. Es kommen vor allem Kinder und Jugendliche, die Bilder malen wollen, verschiedene Zeichentechniken entdecken, Materialien ausprobieren.

Aber auch die Erwachsenen freuen sich über unseren festen Termin, einmal in der Woche an etwas anderes denken als an Formulare, Jobsuche, Wohnungssuche. Wir begegnen der Kreativität der Menschen vor Ort mit offenen Armen und lernen sie so näher kennen. Jeder, jede bringt seine Geschichte mit, Bilder im Kopf, die sich teilweise Bahn brechen.

Die gemeinsame Zeit ist wichtig, das Zulassen von Erinnerungen und das Entdecken neuer Hoffnungen. Wir lernen die Sprache zusammen, entdecken einander und es entstehen immer neue Projekte.

Angefangen haben wir mit einfachem Malen mit Stiften, Tusche, Acryl. Und es gab schon erste Radierungen. Einige der Bewohnerinnen beweisen ihr künstlerisches Talent und nutzen die Kunstvermittlung zur Mappenvorbereitung für die Aufnahme an einer Kunstschule in Deutschland.  Andere gehen spielerisch mit den Farben um, entdecken Ausdrucksmöglichkeiten. Die Kunstvermittlung holt jeden, jede bei seinen Bedürfnissen ab und langsam formen sich Projektarbeiten. So soll eine Wimpelkette gestaltet werden als verbindendes Element zwischen den Gebäuden im Bereich des Bauhaus-Ensembles.

Wir planen „Die Stadt der Träume“. Aus lufttrocknendem Ton sollen die zerstörten Gebäude in der Heimat neu entstehen. Die Beteiligten können ihre Erinnerungen einfließen lassen oder auch ganz neue Sachen entwickeln. Die fertigen Gebilde werden dann im Besucherzentrum des Bauhaus-Ensembles ausgestellt.

Und es gibt Zeichnungen, immer wieder und immer neue. Zum Ende jeden Workshops hängen wir die Bilder gemeinsam auf im Speisesaal. Dieses Ritual schafft Beachtung, ein Hier-Sein, ein Sichtbarmachen. Alle Bilder werden gesammelt, mit Namen versehen.

Jeder und jede hilft mit dem, was wir am besten können. Es entstehen neue Wege des Gehens, des Denkens und die Bereicherung ist auf beiden Seiten.

Das Projekt Kunstvermittlung der besonderen Art wird unterstützt durch das Besucherzentrum Bernau, die Galerie Bernau sowie die BeSt-Bernauer Stadtmarketing GmbH. Außerdem kommen immer wieder Freunde hinzu, die ihre Hilfe und ihre Zeit anbieten wie z.B. Tobias Heim, Nancy Sorge u.a. Vielen Dank an alle, die sich beteiligen.

Josie Rücker
Mai 2022